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Wo gingen die Phosphorgranaten nieder?

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26. 01. 2009

Israel rüstet sich für Klagen

Von Hans-Christian Rößler, Jerusalem


23. Januar 2009 Die israelischen Soldaten haben Gaza längst verlassen, aber in Jerusalem wächst die Sorge, dass für einige von ihnen der Krieg noch lange nicht vorüber ist. Die Anschuldigungen, nach denen sich die Streitkräfte im Gazastreifen im Kampf gegen die Hamas auch Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung schuldig gemacht haben, häufen sich von Tag zu Tag.

Namen und Fotos der im Gaza-Krieg in führender Position beteiligten Offiziere, die viele Israelis bei ihrer Rückkehr noch mit Lob überhäuft hatten, dürfen nach einer Anordnung des Militärzensors nicht mehr veröffentlicht werden. Die Kommandeure sollen sich nicht durch Interviewäußerungen belasten. „Wir bereiten uns auf eine Welle internationaler Verfahren vor“, sagte vor einigen Tagen Generalstaatsanwalt Mazuz.

 

Verfahren wegen Kriegsverbrechen?

Den führenden Militärs, wie Generalstabschef Aschkenasi oder Luftwaffenkommandeur Nehushtan, wurde schon dringend empfohlen, vor Auslandsreisen Juristen zu konsultieren. Intensiv prüfen israelische Fachleute die Rechtslage besonders in Europa, wo es in letzter Zeit einfacher geworden ist, Verfahren wegen Kriegsverbrechen zu beginnen und Verdächtige festzunehmen. Ministerpräsident Olmert setzte zudem eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe ein.

Nach Tagen mit offiziellen Dementis und dem Hinweis darauf, dass die im Gazastreifen eingesetzten Waffen legal gewesen seien und die Armee sich dem internationalen Recht verpflichtet fühle, haben auch die Streitkräfte mittlerweile mit ersten eigenen Untersuchungen begonnen. Nicht nur Menschenrechtler aus dem Ausland und in Israel hatten das gefordert, sondern auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hatte während eines Besuchs in Gaza verlangt, die Verantwortlichen für die Zerstörungen der dortigen UN-Gebäude zur Rechenschaft zu ziehen.

Geschosse mit abgereichertem Uran?

Die Liste der Vorwürfe ist in den vergangenen Tagen länger geworden: Ging es zunächst vor allem um den Einsatz von Phosphorgranaten, wurde der israelischen Armee nun zudem vorgehalten, Geschosse mit abgereichertem Uran verwendet zu haben. Auf das Verlangen Saudi-Arabiens und mehrerer arabischer Staaten hin sollen unter anderem die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) damit beginnen, entsprechenden Informationen nachzugehen. Israelische Regierungssprecher wiesen diese Anschuldigungen als gegenstandslos zurück. Israel war schon während des Libanon-Kriegs vorgeworfen worden, ähnliche Geschosse eingesetzt zu haben.

Während für einen entsprechenden Nachweis aufwendigere Untersuchungen nötig sind, mehren sich täglich die Hinweise darauf, dass die israelischen Streitkräfte in Gaza Phosphorgranaten auch in von Zivilisten bewohnten Gebieten eingesetzt haben. Das legen Berichte von Augenzeugen, Menschenrechtlern und Journalisten nahe, die im Gazastreifen unterwegs waren.

„Amnesty“-Experten sprechen von unwiderlegbare Beweisen

Ein Gruppe von Fachleuten der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“, die sich seit dem vergangenen Wochenende in Gaza aufhält, fand nach eigenen Angaben „unwiderlegbare Beweise“ dafür: Phosphorgeschosse seien in dichtbesiedelten Wohngebieten von Gaza-Stadt zum Einsatz gekommen. Auch auf dem Gelände der UN-Hilfsorganisation für die Palästinensergebiete, UNRWA, und im Al-Quds-Krankenhaus hätten sie Überreste solcher Granaten entdeckt. Ganze Straßenzüge und Häuserruinen seien mit in Phosphor getränkten Stoffstücken bedeckt gewesen, die zum Teil noch gebrannt hätten.

Ärzte im Schifa-Krankenhaus, der größten Klinik im Gazastreifen, berichteten von Verbrennungen, wie sie sie noch nie gesehen hätten. Es seien mehrere Dutzend solcher Fälle gebracht worden, sagte etwa der Leiter der zuständigen Abteilung, Nafez Abu Shaban, in mehreren Zeitungsinterviews. In den Wunden seien Reste von Phosphor gefunden worden. Phosphorgranaten sind eigentlich vor allem dazu gedacht, durch starke Rauchentwicklung Truppenbewegungen zu verbergen, nicht jedoch für den Einsatz gegen Personen. Denn wenn Menschen auch nur mit einem der mehr als hundert Filzstückchen, die in Phosphor getränkt sind, in Berührung kommen, kommt es zu schweren Verbrennungen - von der Haut durch die Muskeln bis zum Knochen. Die Ärzte in Gaza waren zunächst ratlos und wussten sich schließlich nicht anders zu helfen, als großflächig das betroffene Gewebe herauszuschneiden.

Die israelische Armee bestreitet nicht, solche Granaten eingesetzt zu haben. Nach ersten Überprüfungen von Seiten der Armee wurden nach Zeitungsberichten bis zu 200 nach dem Beginn der Bodenoffensive vor zwei Wochen abgefeuert. Auftrag der Armee-Ermittler sei es, zu überprüfen, ob ihr Gebrauch angemessen war oder nicht.

Quelle FAZ.NET >>>

 

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