Wo der Frieden gemacht wird
20. 01. 2009
Krieg gegen die Hamas:
Wo der Frieden gemacht wird
Eine Analyse von Niels Kruse
Die Operation "Gegossenes Blei" ist vorerst abgeschlossen. Israel will alle Kriegsziele erreicht haben. Doch von einem Frieden ist die Region genauso weit entfernt wie vor dem Feldzug. Nun schickt sich ausgerechnet ein "Schurkenstaat" an, den Konflikt zu entschärfen.
Nach drei Wochen Krieg will Israel seine Kriegsziele erreicht haben und zieht seine Truppen aus dem Gaza-Streifen ab. Aber welche Ziele waren das gleich noch? Die Hamas sollte geschwächt, die Versorgung des Gaza-Streifens durch die Tunnel zu Ägypten verhindert und die Raketen-Agriffe auf Südisrael unterbunden werden. All dies sei der Operation "Gegossenes Blei" gelungen, behauptet Israels Premierminister auf Abruf, Ehud Olmert.
Ist das so? Die Radikal-Islamisten waren trotz der israelischen Angriffe in der Lage, rund 700 ihrer fliegenden Rohrbomben Richtung Sderot und Aschkelon abzufeuern. Und selbst nach Inkrafttreten der Waffenruhe schlugen noch einige der Geschosse auf israelischem Boden ein. Das lässt sich kaum als abgeschlossene Mission bezeichnen.
Die Schmuggeltunnel im Süden des Gaza-Streifen scheinen fürs erste tatsächlich unbrauchbar zu sein, wie Bilder von unabhängigen Reportern zeigen. Um die Stollen zu zerstören, hätte es allerdings kein wochenlanges Bombardement des gesamten Küstenstreifens gebraucht. Und wer sagt, dass nicht binnen kurzer Zeit neue Tunnel ausgehoben werden?
Weiß die Hamas selbst, ob sie geschwächt ist?
Bliebe noch die Schwächung der Hamas. Eine Reihe ihrer Führer ist weiter am Leben, und überhaupt ist die Bewegung so undurchsichtig und uneinheitlich organisiert, dass sie vermutlich selbst nicht einmal weiß, ob sie nun geschwächt ist oder auch nicht. Wenn Israel ernsthaft geglaubt haben soll, dass die Gaza-Bewohner die Angriffe letztlich der Hamas in die Schuhe schieben würden - eine Idee, die tatsächlich einmal so geäußert wurde - dann war das ein reichlich naiver Gedanke. Nahe liegender ist wohl, dass nach der Trauer um die Toten der Groll gegen die Nachbarn weiter wachsen wird.
Sollte aber die Hamas tatsächlich Unterstützung und damit Einfluss verloren haben, ist nicht auszuschließen, dass der Widerstand gegen Israel sogar wieder zunimmt. Denn wer sollte den militanten Palästinensern Einhalt gebieten, wenn nicht die Denker und Lenker der Hamas? In den vergangenen Tagen, während den Verhandlungen über eine Waffenruhe, ist erneut deutlich geworden, wie uneins und zerstritten die Regierenden in Gaza-Stadt sind. Jedoch sind sie die entscheidenden Ansprechpartner für Israel. Sollten die palästinensischen Kämpfer mit ihren Raketen und Sprengstoffgürteln nicht mehr auf die Hamas-Führung hören, dann könnte es schnell wieder vorbei sein mit der Waffenruhe.
Quelle: Stern.de Lesen Sie weiter >>
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