An die Macher der "Anne Will" Sendung
Ein Offener Brief
Prof. Dr. M. Massarrat
Hofbreede 64
D-49078 Osnabrück
Tel: 0541/442284
Fax: 0541/4430528
mohssen.massarrat@uos.de
Osnabrück, 12. Januar 2009
Sehr geehrter Herr Baumann,
sehr geehrter Herr Cichowicz,
sehr geehrte Frau Will,
sie erhalten nachstehend den Offenen Brief anläßlich der Absetzung der für die
ARD-Talkshow "Anne Will" geplanten Sendung zum Krieg in Gaza zu Ihrer
Kenntnis. Der Brief wurde inzwischen (innerhalb von ca. 20. Stunden nach dessen
Versand) von mehreren Hundert Personen bzw. Organisationen unterzeichnet. Wir
haben über 250 von ihnen registriert. Minütlich kommen neue dazu. Wir fühlen
uns außerstande, alle eingegangene Namen aufzuführen. Wir können insofern davon
ausgehen, dass die Sorgen, die im Brief zum Ausdruck kommen, von einem
beachtlichen Teil der Menschen in unserem Land geteilt werden.
Die wenigen Zeilen, die Frau Anne Will uns und vielen anderen Menschen als
Grund der Absetzung in ihrem mail vom 12. Jan., 13.57 Uhr, genannt hat, werfen
mehr Fragen auf als offene Fragen zu beantworten. Uns ist zwar das Verfahren
bis zur endgültigen Entscheidung für das Thema der Woche sehr wohl bekannt. Es
fällt uns jedoch sehr schwer, dem von Anne Will genannten Grund für die
Absetzung zu folgen, weil
- erstens das Palästinathema bis zum 8. Januar in
Fernsehprogrammankündigungen zu sehen war und erst ab dem 9. Januar ohne
Begründung verschwand,
- zweitens die ausgewählten Teilnehmer sicherlich nicht eingeladen werden,
bevor die Themenauswahl entschieden ist, und hier wissen wir definitiv, dass
Rupert Neudeck, Daniel Barenboim und Sumaya Farhat-Naser eingeladen worden
waren und letztere sogar in Deutschland angereist war,
- drittens ein politisch hoch brisantes und aktuelles Thema nicht so ohne
weiteres zu Gunsten eines zeitlosen Themas einfach fallen gelassen wird,
- und weil viertens eine Redaktion in aller Regel sich hütet, zunächst eine so
prominente Besetzung wie die o. g. Personen sowie Joschka Fischer und Avi
Primor einzuladen, um sie dann ohne irgend einen schwerwiegenden Grund wieder
auszuladen,
- und weil fünftens und letztlich derartige Entscheidungen, soweit uns bekannt
ist, in der Regel Mittwochs endgültig feststehen, die Ausladung aber in diesem
Falle am Donnerstag, dem 08. Januar, ausgesprochen worden ist.
Mit freundlichen Grüßen
i. A. aller Unterzeichnerinnen und Unterzeichner
Prof. i. R. Dr. Mohssen Massarrat


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